Neulich noch habe ich mir vorgenommen, ohne langes Rumschwafeln künftig schneller auf den Punkt zu kommen. Und schon werde ich meinen löblichen Vorsätzen untreu:
Als ich am Sonntag beim letzten Nähnerdtreffen in Köln angekündigte, beim heutigen MeMadeMittwoch mein neuestes Kleid vorstellen zu wollen, das in mehrerer Hinsicht an einen Sack erinnern kann, kam sofort der Vorschlag, das Kleid als "Beutolomäus" zu präsentieren. Was ich hiermit tue.
(Vorher habe ich mich natürlich kundig gemacht, wer oder was
Beutolomäus wohl sein mag. Der Sack vom Weihnachtsmann. Knuffig. Auf den ersten Blick nicht unsympathisch. Für eine vertiefte Beschäftigung mit dem Sack hat meine Neugierde allerdings nicht ausgereicht...)
Und so erklärt sich der zweite Teil der Überschrift:
Der Stoff meines Kleides erinnert von der Farbe, aber auch von der Struktur und Webart her an Sackleinen. "Sackleinen" ist ein Begriff, den ich schon ewig kenne, aber gar nicht genau definieren konnte. Rupfen, Sackleinen, Handarbeitsunterricht... all das ist es aber nicht: das Material ist ganz grob gewebte Seide. Und sofort musste ich g**geln: "Sackseide" - gibt es das?
Und was sehe ich? Gibt es natürlich nicht - aber selbst dazu hat
fucking Göte Johann Wolfgang Goethe etwas beizutragen:
Mit Seide näht man keinen groben Sack. Kleine, feine Gemeinheiten. Vollständiger heißt es nämlich:
"So sei doch höflich!" - Höflich mit dem Pack?
Mit Seide näht man keinen groben Sack.
Selten so einen doofen Spruch gelesen! Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.
Der Spruch meint ja nun etwas ganz anderes, als ich so mit "Sackseide" im Kopf hatte - aber ich finde es schon witzig, unter welchen abstrusen Begriffen J.W.G. mir immer wieder unterkommt.
Genäht ist mein neues Seidenkleid nach dem gleichen Schnitt, wie
mein schwarzes Leinenkleid vom letzten Sommer. Das hat sich sehr bewährt und wird getragen, gewaschen, gebügelt, getragen, gewaschen, gebügelt... Fast hätte ich mir genau das gleiche noch einmal genäht. Nun aber kann ich einen hellen, karierten "feinen Sack" tragen, wenn das gute Schwarze auf der Leine hängt...

Der - nicht mehr käufliche - Schnitt ist von Monika Popp und heißt nur "Sommerkleid".
Das Kleid hat wieder Paspeltaschen und als kleine Variante habe ich im Rücken eine Kellerfalte gelegt, die von der Taille bis zum Saum zugenäht ist. Manchmal verstehe ich nämlich einfach nicht, warum Schnittteile so und nicht anders vorgesehen sind. Der Rücken dieses Kleides ist z.B. zweigeteilt. Die verbindende Naht ist schnurgerade vorgesehen, also keine Taillierung, kein Reißverschluss, nix! Wozu also zwei Teile? Also habe ich mal im Bruch zugeschnitten, aber vorsichtshalber eine Karobreite dazugegeben, die jetzt in der Kellerfalte verschwindet. Theoretisch könnte ich also noch ein zweigeteiltes Rückenteil draus fabrizieren... Und natürlich auch die Rückennaht völlig schließen - ich bin mir nämlich noch nicht ganz sicher, ob mir die Rückenpartie so gefällt. Mal sehen. Was meint ihr?

An dem Taschenfotos rechts kann man erkennen, dass ich mir durchaus Mühe gegeben habe mit dem Karomuster. Naja, nach meinen Möglichkeiten eben. Allerdings zeigt mit das Foto in der Totalen mal wieder, warum ich Karos eher ungern verarbeite: Bei ganz vielen Schnitten - nicht nur den bei mir favorisierten geraden Linienführungen - hängen die Seitenpartien immer runter. Klar, ich bin ja wie alle (deutlich!) dreidimensional gebaut und nicht flach wie ein Brett. Geht ja kaum anders. Aber das ist mit ein Grund, weshalb ich neben Unis eher auf
wilde Muster stehe als auf brave (und komplizierte) Karos. Trotzdem gefällt mir mein Beutolomäuskleid und ich würde es sicherlich in meinen Koffer packen, würde ich demnächst in Urlaub fahren. So trage ich es eben zu Hause, falls denn die ergiebigen Regenfälle mal aufhören...
Welche Kleidungsstücke bei den selbst nähenden Urlauberinnen in den Koffer wandern, sieht man beim heutigen letzten
MMM vor den Sommerferien. Allen einen erholsamen und inspirierenden Urlaub!