Der nächste Termin zum Cap Craft Along ist übermorgen, aber dann werde ich keine Zeit haben zu posten und zu verlinken. Das werde ich nachholen - aber vielleicht findet die eine oder andere ja trotzdem schon mal her...
Heute also ein Bericht, wie ich meinen Western-Bestatter-Hut fabriziert habe. Und so sieht's gerade aus:
Fast fertig - nächste Woche gibt es hoffentlich ein Bild mit Garnitur...
Vorab: Einen Hut zu filzen ("nass filzen") ist einerseits leichter als befürchtet, andererseits schwerer als erhofft.
Und nochmal vorab: Es hat so viel Spaß gemacht, dass das nicht mein letztes selbst gefertigtes Modell war! Ich habe schon Pläne für einen weiteren Hut...
Zur Erinnerung: (im Cap Craft Along 2 beschrieben...)
Man fertigt sich nach den eigenen Kopfmaßen eine Schablone, beispielsweise aus der Plastikfolie vom Schweden, die zum Auslegen von Küchenschubladen gedacht ist. Die ist gut geeignet, weil sie eine ausreichende Festigkeit hat.
So sah meine aus - und ich weise direkt mal auf einen zwei Fehler hin, den die ich gemacht habe und den die ich beim nächsten Mal vermeiden werde: Ich habe so einen Knick an der Stelle, wo der Hut aufsitzen wird. Diesen Übergang vom Hutkörper zur Krempe kann man bei der Schablone besser begradigen.
Zweitens war falsch, dass die Schablone oben nicht abgerundet war. Sie sollte definitiv NICHT solche Ecken haben wie bei mir.

Dann belegt man die Schablone schön gleichmäßig mit Filzwolle. Für einen Hut mit breiter Krempe braucht man etwa 120 Gramm, eher weniger. Der fertige Hut soll ja nicht zu schwer werden - Helme filzen wäre eine andere Aufgabe...
Für meinen ersten Hut habe ich die Wolle als Vlies gewählt. Das ist vielleicht etwas leichter als kardierte Wolle im Strang. Hat jedenfalls ganz gut geklappt. (Für den nächsten Hut nehme ich aber noch feinere Merinowolle im Strang. DIE Wolle wird dann in 4 ganz dünnen Lagen ausgelegt, die jeweils senkrecht zueinander orientiert sind.)
Jetzt kommen ein paar Fotos zur Illustration der aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte.
Links sieht man gleichmäßig ausgelegte Wolle, im rechten Bereich muss die Wolle noch etwas auseinander gezogen werden, damit es gleichmäßiger wird.
Zum Filzen braucht man später ein Kunststoff-Netz, an dem die Wolle nicht haften bleibt. Ich habe Fliegengitter für Fenster benutzt, das hatte ich noch im Haus - eignet sich prima. Man könnte auch Gardine nehmen, habe ich gehört.
Dieses Fliegengitter habe ich provisorisch mit riesigen Büroklammern befestigt, um die ausgelegte Woll-Fläche zu wenden. (Das muss man nicht so machen, war für mich nur eine Erleichterung.)
Die Menge an Wolle für eine Seite habe ich übrigens genau abgewogen: 50 Gramm braune Wolle und für den inneren Krempenrand 10 Gramm in grau. Dies hier ist die eine Seite des künftigen Hutes, auf den die Schablone draufgelegt wird und dann noch einmal spiegelbildlich die gleiche Menge Wolle.
Beim Auflegen der Wolle muss man besonders drauf achten, dass am Rand der Schablone jeweils eine Lage schön = stramm um den Rand gelegt wird. Es darf nicht zu viel Material werden, weil es sonst eine Wulst gibt. Von außen nach innen mit den Händen feststreichen.
Zwischendurch habe ich mir geholfen, indem ich alles mal mit dem Fliegengitter und Klammern fixiert habe. Eigentlich ist es nämlich ein richtiger Berg Wolle und es wird sonst etwas unübersichtlich.
Das wird gleich besser, wenn das Material leicht angefeuchtet wird.
Jetzt wird es spannend: Die Wolle wird (durch das Netz) mit Seifenwasser angesprüht. Ich habe etwas Olivenseife (Schmierseife geht auch, aber Olivenseife ist bessere Pflege für die Hände...) in einen Wäsche- oder Blumensprüher mit warmem Wasser gegeben. Das Wasser dürfte aber auch kalt sein.
Die Seife ist eigentlich nur ein Gleitmittel für die Hände und erleichtert das Filzen. Sie wird später ausgewaschen. Man benetzt die Wolle und drückt sie mit den Händen zusammen. Dabei macht man leichte, kreisende Bewegungen und hofft inständig, dass die Wolle doch bitte anfangen möge, aneinander zu haften.
Tut sie irgendwann.
Am Rand der Schablone streicht man nach innen. Und drückt die Fasern durch das Netz hindurch mit streichenden, kreisenden Bewegungen zusammen. Dann wendet man das in Netz eingeschlagene Wollpaket und bearbeitet die andere Seite genauso. Mit Seifenwasser benetzen
und immer wieder drüberstreichen. Irgendwann macht es "klick" - natürlich im übertragenen Sinne, und die Wolle bekommt Griff. Glücksgefühl!!!
Dann sieht es etwa so aus wie rechts. Jetzt kann man das Teil auch schon ohne Netz wenden und mit den Händen bearbeiten.
Dann hat man auch schon bald den Eindruck, das Teil wird immer kleiner und der Schablone "wird es bald zu eng". Dann wird unten an der Krempe das Paket aufgeschnitten und man kann die Folie rausnehmen.
Hier sieht man, dass die Innenseite noch nicht verfilzt ist und die graue
Wolle noch kaum verbunden mit der braunen Außenseite.
Man kann den Hut jetzt wenden und die Innenseite genau so bearbeiten: mit Seifenwasser besprühen und mit den Händen drüberstreichen, bis die Wolle "packt". Danach kann man beherzter zupacken und das Teil richtig durchkneten.
Wenn es so weit ist, hat der Filz eine hinreichende Festigkeit, dass man das Teil mal anprobieren kann.
UND DAS SOLL EIN HUT WERDEN???
Jetzt ist aber noch einige Arbeit notwendig, um das Teil "klein zu kriegen". Und das ist jetzt etwas Knochenarbeit.
Walken geht so: Leicht anfeuchten, in Netz einschlagen, in Handtuch einschlagen und zusammenrollen. Feuchtigkeit rausdrücken.
Und das in jede Richtung!!! Mehrfach.
Dabei schrumpft die Wolle immer weiter zusammen und der Filz wird fester und fester. Und der Stumpen schrumpft und schrumpft - bis zu einer natürlichen Grenze. Man hört mit diesem Walken erst dann auf, wenn kein "Eingehen" mehr festzustellen ist - oder wenn eine Anprobe zeigt, dass bei weiterem Walken der Hut zu eng würde. Auch wenn die Arme lahm werden bei der ungewohnten Arbeit - diesen Bearbeitungsschritt kann man nicht groß unterbrechen. Sobald man nass arbeitet, muss man bis zum Ende durchhalten. (Frau Z. hat vorausgesagt, das dauere etwa 1 1/2 Stunden - bei mir hat es länger gedauert.)
Und das ist solche Knochenarbeit, dass ich keine Fotos davon schießen konnte. Deshalb hier etwas mehr Prosa...
Dann kommt der vorletzte Schritt: Die Seife wird gründlich ausgewaschen. Gründlich. (Sonst gibt es weiße Ränder von der Seife und sonst schäumt es irgendwann, wenn man in den Regen kommt.) Anschließend wird der Stumpen getrocknet. Darf man sogar auf der Heizung. Bei mir war noch keine Heizung an, deshalb habe ich erst mal einen Spaziergang mit dem Hund gemacht.
Und danach das Bügeleisen angeheizt. Und die Krempe plattgebügelt. Und dabei breiter und breiter gezogen. Das ging ganz leicht und hat Spaß gemacht! (Die Höhe war leider nicht mehr zu reduzieren. Hab ich halt eine Art Zylinder.) Et voilà -
In Ermangelung eines Holzkopfs, den eine Modistin jetzt nutzen würde, habe ich die Form über dem Porzellantopf (links hinter dem Hut) ausgearbeitet. Den oberen Rand habe ich mit den Fingern gekniffelt. und die Krempe gebügelt. (Rechts hinter dem Hut der Rest Seifenwasser im Sprüher) .
In der nächsten Ausgabe zeige ich noch, wie ich eine "Garnitur" zufüge um die Höhe optisch etwas zu reduzieren, ob ich evtl. noch ein Schweißband einnähen muss/will - und wie ich die Schablone für die kommenden Hüte abändere...
Und hier
bei Miss Margerite könnt ihr die anderen Kopfbedeckungen bewundern...
ähem, das kommt, wie eingangs gesagt, erst später... das habe ich auch aus der Ferne geschafft zu verlinken - ich lern dazu *freu*