Sonntag, 9. August 2015

Wenn Susi erkältet ist...




... aber sonst ganz frisch und munter, hat Mutti nichts zu lachen! Pausenlos erschallen Wünsche und selbstverständlich müssen alle Spielsachen, ringsum verteilt, greifbar sein.


Wir raten solcherart erschöpften Mutti zu einem Wandteppich, auf dem nebeneinander große Taschen aufgesetzt sind und der auch in gesunden Tagen Susis Favoriten beherbergt.

Als Material eignet sich Baststoff oder ein lustig gemusterter Waschstoff. In die großen Mittelfächer, die durch Hochklappen und Absteppen des unteren Stoffteiles oder als Extrastreifen entstehen, werden Bilderbücher, Zeichenhefte, Puppen, Teddybär gesteckt. Darauf werden noch kleine Taschen gesteppt, in denen Taschentuch, Servietten, Farbstifte, kleines Spielzeug usw. in Griffnähe bleiben.

Diese nette Nähanleitung auf der Rückseite eines Kalenderblattes fiel mir neulich in die Hände und erinnerte mich an den Wandvorhang über dem Kinderbett in meinem Elternhaus. Auf den hatte meine Mutter eine Eisenbahn appliziert, in deren Waggons Bilderbücher, Zeichenhefte etc. - siehe oben - Platz fanden. In der Lokomotive war der Schnuller, wenn ich mich recht erinnere.

Das Kalenderblatt lag gefaltet in diesem Geschenk meine 96jährigen Tante, die mir das Buch  mit dem Hinweis überreichte, dass sie ja "eigentlich genug anzuziehen habe und jetzt nicht mehr so viel nähe". Was hab ich ein Glück gehabt!


Dieses 1966 herausgegebene Handbuch ist schon vorher unter dem Titel BEYER - SCHNEIDERE SELBST erschienen und hat sicherlich zahllosen Ratsuchenden Hilfestellung gegeben. Neben gut gemeinten, nicht mehr ganz so aktuellen Tipps á la "Daß der Teppich umgeschlagen wird, ist selbstverständlich, die die hineingetretenen Fusseln muß man später mit der Hand absuchen."gibt es Verarbeitungstipps für nahezu alle Ausschnitt- und Schlitzformen, Säume, Bundverarbeitungen, Versäuberungen, Zuschneideregeln etc. Wenn ich jetzt eine Frage habe, sehe ich erst mal nicht ins Internet, sondern ins Inhaltsverzeichnis dieses Buches, denn hier finde ich bisher alles verständlich erklärt und gut bebildert.




Autorin oder wahrscheinlich eher Herausgeberin ist Lieselotte Kunder, erschienen ist das Buch im Herder-Verlag Freiburg 1966. Ich habe die Lizenzausgabe für die Mitglieder des Deutschen Bücherbundes - das heißt für mich, dass dieses Werk wahrscheinlich einmal eine hohe Verbreitung hatte. Falls ihr es antiquarisch - oder bei alten Tanten im Bücherregal - irgendwo seht: ich kann es sehr empfehlen!
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